Was ist GfW?

Gemeinsam. Füreinander. Selbstbestimmt.

Gemeinsam für Witzenhausen (GfW) steht für eine selbstbestimmte Nachbarschaft in Witzenhausen. Gemeinsam wollen wir unsere Stadt gestalten und den Krisen unserer Zeit positive Perspektiven entgegen setzten. Alles, was GfW macht, lebt von der Kraft derer, die mitmachen. Das unterscheidet uns von Hilfsorganisationen, Parteien oder von staatlichen Institutionen. Wir laden alle Witzenhäuser:innen ein, Teil davon zu werden.

Von der Nachbarschaft – für die Nachbarschaft.

Unsere Geschichte

„Gemeinsam für Witzenhausen“ (GfW) ist zum einen als Antwort auf die konkrete Zuspitzung von Krisen und Krieg und zum anderen aus der Notwendigkeit einer positiven gesellschaftlichen Vision entstanden.

Im Herbst 2022 war das Wort „Krisenwinter“ nicht nur in aller Munde, sondern für viele Witzenhäuser ohne großes Vermögen oder Einkommen auch mit Blick auf das Portemonnaie und in den Sorgen vor der Nebenkostenabrechnung deutlich spürbar. Der Kriegsbeginn in der Ukraine hatte allen vor Augen geführt, dass der Weltkrieg um die neue Vorherrschaft der Mächtigen auch Europa erreicht hat. Die generelle Preissteigerung, die durch die aus dem Krieg folgende Energiekrise ausgelöst wurde, hat unsere Einkäufe deutlich teurer werden lassen.

Doch neben den für viele existenziellen materiellen Problemen, erlebten wir im Jahr 2022 eine durch die Covid-Jahre gebeutelte und stark verunsicherte Gesellschaft. Wir hatten in Teilen den Kern einer jeden Gesellschaft: Das gemeinsame Essen, Singen, Feiern, Diskutieren und Streiten, verlernt. Dadurch wurden Gräben des allgemeinen Misstrauens und Spaltung vertieft.

Die Vereinzelung, die durch die zunehmende Individualisierung im Neoliberalismus unter anderem Depression als Volkskrankheit hervorgebracht hat, erreichte durch die Jahre der Isolation einen neuen Höhepunkt, der bis heute tiefe Spuren hinterlässt.

Auf der anderen Seite ist GfW aus der Suche nach einem zusammenbringenden Projekt entstanden, dass uns erlaubt unsere Visionen des Zusammenlebens in unserer Stadt zu realisieren. Das Projekt „Witzenhausen 2030“, das vor der Covid-Pandemie viele kreative und motivierte Witenhäuser:innen zusammen gebracht hatte für eine umfassende Zukunftsvision, wurde von städtischer Seite nicht länger unterstützt und letztendlich fallen gelassen. GfW lässt sich also auch als den Versuch verstehen, diesen Prozess von Unten aus der Zivilgesellschaft wieder anzustoßen. Mit dieser Idee begann eine handvoll junger Engagierter durch gezielte Ansprache von Engagierten Personen, Vereinen und Kirchen, sowie durch zahlreiche Haustürgespräche, Verbündete für eine öffentliche Versammlung zu suchen. Im Zuge der Zuspitzung der Krisen wurde zu der Versammlung schließlich unter dem Motto „Gemeinsam durch den Krisenwinter“ eingeladen. An diesem Samstag, den 22. Oktober 2022 wurde in Anwesenheit von rund 70 Teilnehmenden Gemeinsam für Witzenhausen offiziell ins Leben gerufen.

Als konkretes Projekt ist die Nachbarschaftsküche aus der Gründungsversammlung entstanden. Zunächst war das gemeinsame Essen als einmaliges Projekt gedacht, wurde aber so gut angenommen, dass seit Nikolaus 2022 jeden Dienstag rund 50 Menschen zusammen kommen und sich dadurch ein regelmäßiger Treffpunkt etabliert hat. Die Nachbarschaftsküche ist zu einem etablierten Treffpunkt in Witzenhausen geworden in dem verschiedenste Menschen aus unterschiedlichen Kulturen von jung bis alt zusammen kommen, die zuvor auf der Straße aneinander vorbei gelaufen wären. Es begannen zudem monatliche Treffen derjenigen, die die Verantwortung spürten GfW über die Nachbarschaftsküche hinaus weiter zu denken. Dadurch sind die monatlichen Aktiventreffen entstanden.

Im November 2023 fand nach einem Jahr schließlich die zweite Nachbarschaftsversammlung unter dem Motto „Ein Jahr GfW- Weiter Gehts!“ statt. Es wurde die Idee eines Nachbarschaftsrates vorgestellt und vier weitere Arbeitsgruppen sind entstanden, die sich seitdem alle zwei Monate auf dem Nachbarschaftsrat austauschen und planen. Auf der dritten Nachbarschaftsversammlung im Herbst 2024 zu der rund 100 Witzenhäuser:innen zusammen kamen, wurde der Schritt von einer Nachbarschaftsinitiative zur Nachbarschaftsorganisation eingeleitet.

Über unsere regelmäßigen Veranstaltungen organisiert GfW seit Beginn zum Tag der Nachbarschaft ein Fest im Stadtpark, ein interkulturelles Café und ein Mitbringbuffet im Rahmen der interkulturellen Woche mit dem Nachbarschaftsring e.V., sowie einen Ostermarsch als Zeichen für Frieden in Witzenhausen. Auch am Erntefestumzug haben wir uns erstmals 2024 beteiligt.

Neben der Schaffung eines gegenseitigen Vertrauens und Gemeinschaftssinns als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt, setzt sich GfW von Anfang an auch für die Rechte und Interessen derjenigen ein, die existenzielle Sorgen und handfeste Probleme haben. Sei es der beschämende Zustand der Geflüchteten-Unterkunft und andere Herausforderungen derer, die bei uns Zuflucht suchen oder die Anliegen von Anderen Benachteiligten, die oft auf der Strecke bleiben.

Seit den Anfängen von GfW haben sich die weltweite Krisen, deren Auswirkungen bis in unsere Geldbeutel, zwischenmenschliche Beziehungen und Aussichten vor Ort in Witzenhausen reichen, weiter zugespitzt. Tatsächlicher Frieden ist in Zeiten von Wettrüsten, dessen Rhetorik an längst überwunden geglaubte Zeiten erinnert, zunächst in die Ferne gerückt. Auch eine zunehmende Faschisierung der Gesellschaft haben wir spätestens durch eine Vielzahl von entsprechenden Stickern, Hakenkreuzen an Wänden und in der Bibel sowie Vorfälle auf Witzenhausens Straßen bei uns zu spüren bekommen.

Damit haben sich die Notwendigkeiten für eine nachbarschaftliche Organisation in Witzenhausen seit Gründung nur vergrößert.

Unsere Werte

GfW ist eine gemeinsame Suche nach Lösungen für unsere Probleme in Witzenhausen. Alles, was die Initiative macht, lebt von der Kraft derer, die mitmachen. Das unterscheidet uns von Hilfsorganisationen, Parteien oder von staatlichen Institutionen.

Wir glauben an das Gute im Menschen, weil wir es jeden Tag in unseren Mitmenschen sehen. Durch unser positives, aber nicht naives, Menschenbild, schaffen wir Hoffnung.

Wir wollen ein Vertrauen, Großzügigkeit und Fürsorge leben, die über familiäre Beziehungen hinaus geht. Indem wir uns von dem vorherrschenden „Ich-Gefühl“ zu einem „Wir-Gefühl“ bewegen, überwinden wir einen ignoranten Individualismus und eine kalte Anonymität. Wir wollen jederzeit bei unseren Nachbar:innen klingeln und füreinander da sein. Damit führen wir die positiven Werte der dörflichen Lebensart weiter und schaffen ein gegenseitige Sicherheitsnetz.

Dafür wollen wir Zäune einreißen: Das bedeutet Spaltung zu erkennen, um sie überwinden zu können. Unterschiede sehen wir als Mehrwert für die Gemeinschaft.

Die GfW- Grundwerte

Lebensbejahend
Gegen jede Ausgrenzung und Unterdrückung von Mensch und Natur.

Gemeinschaftlich
Wir suchen das Verbindende. Wir wollen eine solidarische Gemeinschaft anstelle von Vereinzelung und Spaltung.

Selbstbestimmt
Wir sind keiner parlamentarischen Partei oder anderen Institutionen unterstellt

Gemeinsam für Witzenhausen: Für das Leben, Gemeinschaft & Selbstbestimmung

Unser Ziele

Aus unseren Grundwerten leitet sich ab, dass wir ein selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft schaffen wollen.

Dem Konkurrenzdenken wollen wir Zusammenhalt, Schönheit und menschliche Werte entgegensetzen. Die Geschichte der Gesellschaft ist bestimmt durch Werte des Teilens, Mitgefühls und das gemeinsam Feste Feierns, dieses Erbe wollen wir weiter kultivieren und verteidigen. Wir sind davon überzeugt, dass die Lösungskraft in der Kreativität der Gesellschaft liegt.

Wir möchten nicht dabei stehen bleiben, an „die Politik“ zu appellieren. Politik verstehen wir als die tagtägliche Aushandlung, wie wir miteinander Leben wollen. Wenn wir zusammenkommen, werden wir selbst zur Lösungskraft. Das Ziel von GfW ist es, auf aktuelle Krisen zu reagieren aber ‒ auch präventiv ‒ vorauszudenken und kommenden Krisen entgegenzuwirken.

Leitfragen sind dabei: Welche Auswirkungen haben Krisen auf den Alltag in Witzenhausen, wer ist besonders betroffen und welche Lösungsansätze können gemeinsam für diese Probleme gefunden werden? Wie können wir eine Kultur der Kreativität, der gegenseitigen Unterstützung und des Zusammenhalts leben?

Unsere Struktur

Unsere Struktur als Nachbarschaftsorganisation soll niemals ein Selbstzweck sein, sondern muss sich aus unseren Zielen ableiten und unseren Werten entsprechen. Wir wollen mit klaren Verantwortlichkeiten arbeiten, und legen Wert auf Kontinuität und Verbindlichkeit. Gleichzeitig wollen wir uns vor Bürokratie, formalisierter Hierarchie und organisatorischer Starrheit schützen.

Das Herzstück unserer Struktur ist der Nachbarschaftsrat. Denn durch den Nachbarschaftsrat wollen wir Schritt für Schritt ein selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft aufbauen und unsere Stadt gestalten. Auf dem Nachbarschaftsrat kommen alle zwei Monate die verschiedenen Arbeitsgruppen zusammen um sich auszutauschen, zu diskutieren und gemeinsame Planungen zu machen. Der Nachbarschaftsrat soll aber auch ein Ort sein, wo alle Witzenhäuser:innen eingeladen sind ihre Ideen, Fragen, und Probleme mitzubringen um gemeinsam handlungsfähig zu werden. Der Nachbarschaftsrat ist ein entscheidungsfähige Gremium.

Einmal jährlich findet die Nachbarschaftsversammlung statt um das vergangene Jahr auszuwerten und richtungsweisende Prozesse für das folgende Jahr zu diskutieren.

Die GfW- Arbeitsgruppen (AGs) entstehen durch die Initiative von Einzelnen um sich kontinuierlich einem bestimmen Thema zu widmen. Eine Arbeitsgruppe sollte eine Ansprechperson, ein regelmäßiges Treffen und ein konkretes Ziel haben.

Das Aktiventreffen trifft sich monatlich, bewertet die Entwicklung von GfW, bereitet Nachbarschaftsrat und Nachbarschaftsversammlungen vor und macht Vorschläge für die weitere Entwicklung von GfW. Zwischen den Nachbarschaftsräten ist das Aktiventreffen über laufende Angelegenheiten entscheidungsfähig.

Gemeinsam für Witzenhausen arbeitet von Beginn an eng mit dem Nachbarschaftsring Witzenhausen e.V. zusammen und ist ein Projekt innerhalb des Vereins.

Stimmen über GfW:

Hier kann ich offen auf andere zugehen und wir können voneinander Lernen.

Die Nachbarschaftsküche ist mehr als Küche. Es hat den Charakter einer Großfamilie oder Dorfgemeinschaft

Wir müssen die Wand aus Angst einreißen, die uns trennt. Als ich zuerst nach Deutschland gekommen bin war die Wand groß, dann habe ich mich getraut durchzugehen.