Hortschließung trotz Zusagen für den Weiterbetrieb

Letztes Jahr bewegte die mögliche Schließung des Hortes im oekumenischen Kinderhaus St. Jakob die Stadtgesellschaft von Witzenhausen. Zahlreiche Gespräche zwischen allen Beteiligten wurden geführt, in Ausschüssen diskutiert und über 800 Unterschriften für den Erhalt der Einrichtung gesammelt. Schließlich zeichnete sich eine Lösung einer stabilen Finanzierung für die kommende Zeit ab. Die katholische Kirche, die Stadt Witzenhausen und die Eltern hatten sich auf einen klaren Fahrplan geeinigt, wie der Weiterbetrieb über das Jahr 2026 hinaus sicher gestellt werden sollte. Festgehalten wurde dabei, dass so schnell wie möglich ein neuer Vertrag zwischen der katholischer Kirche als Träger und der Stadt Witzenhausen geschlossen wird, um für die Kinder, Familien und Angestellten Sicherheit zu gewährleisten.

Seit den letzten Gesprächen im Dezember 2025 wurden weder „Gemeinsam für Witzenhausen“ noch den Eltern, Angestellten oder der Hortleitung über den Verlauf der Vertragserneuerung zur Weiterführung des Horts informiert. Weder die katholische Kirche, noch die Stadtverwaltung hatten signalisiert, dass die Vertragserneuerung nicht, wie mit allen Beteiligten vereinbart, von statten geht.
Letzte Woche nun wurden die Eltern von Seiten der katholische Kirche mit der Entscheidung konfrontiert, dass der Weiterbetrieb des Horts zum 31.12.26 eingestellt wird. Begründet wurde dies mit einer bisher unvorhergesehenen finanziellen Mehrbelastung der katholischen Kirche mit über 100.000 Euro. Wie diese Mehrbelastung zu Stande kommt, warum diese Schwierigkeiten nicht frühzeitig mit Eltern und Angestellten kommuniziert wurden um ggf. gemeinsam eine Lösung zu finden, wurde bisher von Seiten der Kirche nicht kommentiert. Dass die im letzten Jahr von der Verwaltung des Horts präsentierten Zahlen alle falsch gewesen sein sollen, wirft viele Fragen auf.

In Zeiten von sozialer Unsicherheit brauchen Angestellte sozialer Einrichtungen, Familien und besonders Kinder Zuverlässigkeit und Sicherheit. Das Hin und Her für die Hortkinder im letzten Jahr, war eine extreme Belastung. Dass diese nun weitergeht und den Kindern ein Wechsel in den Schulhort mitten im laufenden Schuljahr bevorsteht, birgt Überforderung, welche nun von den Eltern und meist den Müttern, aufgefangen werden muss. Es macht uns wütend, wie hier mit den Angestellten des Hortes, den Eltern und den Kindern umgegangen wird.

Die beteiligten Initiativen zum Erhalt des Horts hatten mit der Entscheidung gezeigt, dass gemeinsam etwas bewegt werden kann. Mit dem erneuten intransparenten Umgang von Seiten der katholischen Kirche und Stadtpolitik wurde das mühsam erarbeitete Vertrauen erneut schwer beschädigt. Der Umgang mit dem zivilgesellschaftlichen Engagement zur Weiterführung des Hortes, das von allen Seiten als Wichtig und Ehrenwert gelobt wurde, ist enttäuschend. Es zerstört Vertrauen in Politik und Kirche, lässt Werte von Nächstenliebe und Solidarität zu leeren Phrasen werden und spielt den falschen Kräften in die Karten.

Als „Gemeinsam für Witzenhausen“ wenden wir uns warnend an alle diejenigen, die es mit Gemeinschaft in unserer Stadt, mit der Stärkung von Familien und Kindern, mit Politik auf Augenhöhe mit den Bürger:innen ernst meinen: In Zeiten wie diesen, wo Unsicherheit, soziale Sorgen und Vereinzelung sich in der Gesellschaft immer weiter ausbreiten, können wir uns nur auf unsere starke Gemeinschaft verlassen.

Arbeitskreis von Gemeinsam für Witzenhausen (GfW) für den Erhalt des Hortes